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Eine patientenfreundliche und nachhaltige Gesundheitsvorsorge erfordert eine ausreichende Zahl an Ärztinnen und Ärzten. Und, oft weniger beachtet aber kaum weniger wichtig, ausreichend kompetentes nichtärztliches Fachpersonal und regionale Vernetzung.

AG Nachhaltigkeit Hage hat sich in einem ersten Arbeitsschritt mit der ärztlichen Versorgung im Hausärztlichen Planungsbereich Norden (HPB Norden; s. Abb.) befasst. Der ist, anders als die Bezeichnung vermuten lässt, deutlich größer als die Stadt Norden.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) zählte bisher die Hausärztinnen und -ärzte auf den Inseln mit, obwohl diese für die Versorgung auf dem Festland nie eine Rolle gespielt haben. Juist, Norderney und Baltrum gehörten zum HPB Norden. Dadurch wurde die hausärztliche Versorgung auf dem Festland wesentlich besser ausgewiesen, als sie es in Wirklichkeit war. Mit der Februar 2024 vollzogenen Gründung eines HPB Ostfriesische Inseln wurde diese Schieflage korrigiert.

Die KVN berechnet den hausärztliche Versorgungsgrad über eine Verhältniszahl: sie beträgt 1.514 für den HPB Norden (bundesweit 1.616). Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner im HPB Norden (63.001 nach KVN) wird durch die Verhältniszahl geteilt. Rechnerisch ergeben sich 41,6 Zulassungen (Kassenarztsitze), um einen Versorgungsgrad von 100 Prozent zu erreichen. Privatpraxen werden nicht betrachtet.

Dass unsere Region ein sehr beliebtes Reiseziel ist und Urlauberinnen und Urlauber auch eine ärztliche Versorgung benötigen können, wird ebenfalls nicht berücksichtigt.

Angestrebt wird ein Versorgungsgrad von 110 Prozent und somit rechnerisch 45,7 Zulassungen. Diese 110 Prozent sind für die KNV gleichermaßen Ziel und Grenze. Weist eine Planungsregion einen Versorgungsgrad von mehr als 110 Prozent auf, wird sie für weitere Zulassungen gesperrt.

Im HPB Norden praktizieren 40 Hausärzte, -ärztinnen. Bei – bisher – 39,5 Kassenarztzulassungen auf dem Festland (es gibt auch halbe Kassenarztsitze) sind mit dem veränderten Zuschnitt des HPB Norden rund gerechnet 6,5 freie Zulassungen neu entstanden. Die freien Zulassungen hat die KVN zur Besetzung ausgeschrieben. Praxisgründungen oder Anstellungen sind sofort möglich. Von den bisher 39,5 Kassenarztsitzen ist zudem ein Sitz vakant, der auch sofort besetzt werden könnte. Um alle freien Zulassungen zu besetzen, fehlen im HPB Norden 7,5 Hausärzte bzw. -ärztinnen.

Die AG Nachhaltigkeit Hage hat die Zulassungen im HPB Norden detaillierter aufgeschlüsselt. Für die Samtgemeine Hage ergeben sich rechnerisch 7,4 Zulassungen bei einem Versorgungsgrad von 100 Prozent und 8,1 bei den angestrebten 110 Prozent. Derzeit sind 7 Hausärztinnen bzw. -ärzte in Hage tätig. Um 110 Prozent Versorgungsgrad knapp erreichen zu können, müsste mindestens ein weiterer Hausarzt oder eine weitere Hausärztin für Hage gewonnen werden.

GemeindeEinwohner /innenÄrzte/ Innen IstKassenarztsitze besetzt100%110%Differenz Ist/Soll
Dornum4.527442,993,29-0,71
Norden25.179181716,6318,291,29
SG Hage11.207777,48,141,14
Großheide8.725335,766,343,34
SG Brookmerland   davon13.38687,58,839,712,21
Marienhafe2.45666   
Upgant-Schott3.80921,5   
insgesamt63.006*4038,5/39,5**41,6345,776,27/7,27**
*EW 31.12.2022; die KNV rechnet mit 60.001 EW. Eine Zulassung ist gegenwärtig vakant. Bei 6,5 neuen freien Zulassungen könne 7,5 Stellen/Sitze besetzt werden

Eine Hausärztin oder einen Hausarzt für Hage zu gewinnen, das hört sich bescheiden an. Tatsächlich ist es aber durchaus herausfordernd. Überall in Deutschland werden Ärztinnen bzw. -ärzte aller Fachrichtungen gesucht. In unserer Nachbarschaft bestehen ebenfalls freie Zulassungen im Hausarztbereich. HPB Emden: 5,0, HPB Leer Nord: 4,5, HPB Leer Süd: 11,0, HPB Wittmund: 7,5, HPB Jever: 3,5.

Trotz des Bedarfes und der 6,5 neuen freien Zulassungen ist der HPB Norden kein Förderbereich und kann weder Investitionszuschüsse der KVN noch das Landesprogramm Landarztquote in Anspruch nehmen. Der HPB Emden und der HPB Leer Süd können jeweils bis zu 60.000 Euro Investitionskostenzuschuss für eine (Emden) bzw. zwei Praxisgründungen erhalten.

Wie kann die Attraktivität für eine hausärztliche Niederlassung oder Anstellung in der Samtgemeinde Hage gesteigert werden? Welche anderen Wege zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung können beschritten werden (z. B. eine breitere Nutzung von Telemedizin)? Wie kann das regionale Netzwerk aller Akteure und Akteurinnen des Gesundheitswesens besser genutzt und ausgebaut werden? Diesen Fragen stehen im Mittelpunkt unserer weiteren Arbeit.

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